Obwohl die Y.W.C.A. (Young Women's Christian Association) heute hauptsächlich als soziale Organisation bekannt ist, spielte sie im späten 19. Jahrhundert eine entscheidende Rolle in der Kunstgeschichte. Für Tiffany Studios war die Y.W.C.A. der wichtigste Ort, um hochqualifizierte, künstlerische weibliche Talente für die Women's Glass Cutting Department zu rekrutieren.
Eine strategische Rekrutierungsstätte
Als Louis Comfort Tiffany 1892 beschloss, Frauen einzustellen, suchte er nicht nach ungelernten Arbeitskräften, sondern nach Künstlerinnen mit einem scharfen Auge für Farbe und Komposition. Die Y.W.C.A. bot zu dieser Zeit umfassende Kurse in den dekorativen Künsten an, speziell ausgerichtet auf Frauen, die wirtschaftlich unabhängig werden wollten.
Die Frauen, die über die Y.W.C.A. zu Tiffany kamen, hatten oft bereits eine Grundlage in:
- Zeichnen und Malen: Essenziell für die Umsetzung natürlicher Blumenmuster in Glasmuster.
- Designlehre: Kenntnis von Symmetrie und Balance, die für die geometrischen Entwürfe erforderlich war.
- Farbtheorie: Die Grundlage für das "Malen mit Glas", für das Tiffany berühmt wurde.
Die Geburt der 'Tiffany Girls'
Viele der talentiertesten Mitarbeiterinnen, die später als Tiffany Girls bekannt werden sollten, stammten aus diesem Netzwerk. Die Y.W.C.A. bot eine sichere und anregende Umgebung, in der Frauen ihr Handwerk verfeinern konnten, bevor sie den Schritt in die professionelle "Kunstfabrik" in Corona oder Manhattan wagten.
Wirtschaftliche Unabhängigkeit
Die Zusammenarbeit zwischen Tiffany und der Y.W.C.A. war revolutionär für diese Zeit. Sie bot Frauen die Chance auf ein faires Gehalt – oft vergleichbar mit dem von Männern – und einen professionellen Status als „künstlerische Handwerkerin“. Dies war ein großer Schritt vorwärts in der gesellschaftlichen Akzeptanz von berufstätigen Frauen im Kunstbereich.
